The Wild One
Wir schreiben das Jahr 1853. Es ist die Zeit der Goldgräber, Eisenbahn- und Minenarbeiter, die im Wilden Westen auf eine neue Zukunft hoffen. Mit dabei: Ein junger bayerischer Auswanderer mit dem Namen Löb Strauss, der dem fieberhaften Ruf des Goldes an die Westküste der USA folgt. Im Gepäck des erst 24-Jährigen Mannes befinden sich lediglich Zeltplanen und ein paar Nähnadeln.
In San Francisco angekommen, eröffnet er gemeinsam mit seinem Schwager ein Kurzwarengeschäft und schließt auf diese Weise eine wichtige Marktlücke. Denn das Sortiment des neuen Ladens enthält alles, was ein Goldgräber und Minenarbeiter im Wilden Westen für die Suche nach dem begehrten Edelmetall benötigt. Dabei zählt zum Sortiment vor allem eines: Strapazierfähige Kleidung. Diese bestand aus den von Strauss mitgeführten Zeltplanen, die er beim Schneider zu Hosen fertigen lies. Der Legende nach soll der erste Käufer so begeistert gewesen sein, dass er der ganzen Stadt von den robusten und reißfesten Hosen erzählte.
Der Mythos der Jeans
Die damalige Hose trug den Namen „waist overall“ und war ein voller Erfolg. Strauss ruhte sich darauf aber nicht aus. Er suchte ständig Verbesserungsmöglichkeiten. So lies er die strapazierten Hosennähte erstmals durch Nieten verstärken. Zudem wurden die bis dato verwendeten Zeltplanen durch einen robusten Baumwollstoff aus dem französischen Nîmes ersetzt. Ihren Namen „Blue Jeans“ erhielt die Hose erst um 1920 und um 1930 wurden die obligatorischen Hosenträger durch Gürtel ersetzt. Der wahre Mythos um die Jeans entstand schließlich mit dem Aufkeimen der Wildwestromantik nach der Weltwirtschaftskrise. Dabei fasste der neue Modetrend auch in Hollywood schnell Fuß. Wildwest-Filmhelden wie Gary Cooper etwa, waren ab sofort nur noch in Jeans zu sehen.
Rebellische Jugend
Erst der zweite Weltkrieg brachte die Jeans mit den US-amerikanischen GIs schließlich auch nach Europa. Vor allem in Deutschland war die offizielle Armeehose der US-amerikanischen Soldaten bei der westdeutschen Bevölkerung sehr schnell heiß begehrt. Denn als Kleidungsstück schien sie am besten den American Way of Life zu verkörpern. Während die Jeans in der damaligen DDR verboten wurde, verband die westdeutsche Bevölkerung mit ihr vor allem Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung, womit das neue Kleidungsstück sehr schnell zum starken Freiheitssymbol avancierte. Doch damit nicht genug: In den 50iger Jahren war das Tragen von Jeans sogar ein starker Ausdruck für einen unangepassten und rebellischen Lebensstil. Damalige Stars wie James Dean, Marlon Brando, Dennis Hopper und last but not least Marilyn Monroe sorgten schließlich dafür, dass die Jeans weltweit zum Symbol des Anti-Establishments wurde. Erst mit der Flower-Power-Bewegung veränderte auch die Jeans ihr Aussehen. Sie wurde enger getragen und bemalt.
Der internationale Catwalk
Ende der 70iger Jahre war es dann soweit: Stardesigner wie Calvin Klein, Gianni Versace oder Replay-Gründer Claudio Buziol widmeten dem Denim-Stoff ihre ganze Kreativität und Leidenschaft für Neues, womit die Jeansmode auf den internationalen Catwalks schließlich sogar zum Statussymbol und Luxusobjekt erkoren wurde. Kein Designer kam an der Jeans vorbei. Dabei wurden vor allem immer wieder neue Kollektionen für die Damenwelt kreiert.
Ende der 80iger Jahre reiste Claudio Buziol nach Japan. Dort besuchte er eine Spinnerei, in welcher ein ganz besonderer Denim – der so genannte Ring-Denim – hergestellt wurde. Dieser hatte eine raue und unregelmäßige Oberfläche und war gleichzeitig sehr weich und grifffest. Daraufhin feierte in den 90er-Jahren die italienische Replay-Mode mit ihren Jeans einen ersten Hype. Dabei stellten vor allem die Kollektionen von Stardesigner Buziol die Ursprünge der Jeanswear wieder in den Mittelpunkt der Modewelt.
Autor: François Baumgartner
Foto: © Rainer Sturm / www.pixelio.de





