Berlin (ddp). Das Milliarden-Rettungspaket für Griechenland lässt in der Union die Zweifel an weiteren Steuersenkungen wachsen. Führende CDU-Politiker hoben am Montag hervor, die Konsolidierung der Haushalte habe Vorrang. Die SPD forderte die Bundesregierung auf, ihre «unbezahlbaren» Steuerpläne zu begraben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erteilte Erwartungen an Steuersenkungen schon im Jahr 2011 eine Absage. Sie verwies auf die Schuldenbremse im Grundgesetz. Deutschland wolle seinen Anteil zur Stabilität des Euro beitragen. «Deshalb haben wir ja auch gesagt, es wird 2011 erst einmal keine Steuersenkungen geben. Und welche Spielräume wir für 2012 haben, werden wir in der Koalition besprechen», betonte Merkel.
Einen direkten Zusammenhang der Griechenland-Hilfe mit der Steuerpolitik der Regierung sieht die Kanzlerin aber nicht. Da die Kredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau gegeben würden und der Bund nur für den Fall bürge, dass diese ausfallen, «brauchen wir keinen neuen Haushalt und wir haben auch nicht mehr Ausgaben».
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mahnte indessen: «Wir brauchen wieder geordnete Verhältnisse. Und das heißt Konsolidierung.» In den kommenden Jahren müsse die Schuldenbremse eingehalten werden. «Wir müssen auf Dauer mit dem Geld auskommen, das wir zur Verfügung haben», sagte er, «deswegen brauchen wir eine Exit-Strategie aus der schuldenfinanzierten Krisenbekämpfung.»
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion im Bundestag, Peter Altmaier (CDU), widersprach dem Parteivize ausdrücklich nicht. Der Umgang mit der Haushaltskonsolidierung in den nächsten beiden Jahren werde auch vor dem Hintergrund der Griechenland-Krise der «Lackmustest» der schwarz-gelben Koalition. Eine seriöse Konsolidierung müsse Vorrang haben vor anderen, ebenfalls erstrebenswerten Vorhaben.
Auch der Unions-Bundestagfraktionschef Volker Kauder (CDU) äußerte sich zurückhaltend zu weiteren Steuererleichterungen, die die Koalition unter einem Finanzierungsvorbehalt vereinbart hatte. Eine Steuerreform werde «vermutlich 2012» kommen, sagte er lediglich.
Sein Stellvertreter Michael Fuchs (CDU) fügte hinzu: «Für Steuersenkungen 2011 gibt es mit Sicherheit keinen Spielraum.» Wenn die Wirtschaft anspringe, könne es 2012 Steuersenkungen geben. Nötig sei allerdings auch ein verschärfter Sparkurs. «Wir müssen verstärkt sparen, nicht zu jedermanns Freude», sagte Fuchs mit Blick auf die Einführung der Schuldenbremse ab 2011. Einsparpotenzial sehe er fast ausschließlich bei Sozialausgaben und Subventionen.
Die SPD kritisierte die schwarz-gelbe Koalition scharf. «Wer weiterhin an unbezahlbaren Steuergeschenken in Höhe von 16 Milliarden Euro festhält, handelt völlig unverantwortlich», sagte Parteichef Sigmar Gabriel. Die Griechenland-Kredite seien schon Risiko genug für den Bundeshaushalt, zuvor habe die Bundesregierung bereits die höchste Neuverschulung in der Geschichte der Bundesrepublik beschlossen.
CDU, CSU und FDP haben sich bei den Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt, insgesamt Steuerentlastungen in Höhe von jährlich 24 Milliarden Euro umzusetzen – sofern dies finanzierbar ist. Davon entfallen nach Argumentation der Koalitionäre bereits acht Milliarden Euro auf das seit Januar geltende Wachstumsbeschleunigungsgesetz mit Erleichterungen für Familien, Erben, Unternehmen und Hotels.
ddp