Düsseldorf (ddp-nrw). Immer mehr Christdemokraten melden sich im Machtkampf um den CDU-Landesvorsitz in Nordrhein-Westfalen zu Wort. NRW-CDU-Politiker aus Bund und Land positionierten sich am Dienstag für die wahrscheinliche Kampfkandidatur zwischen Ex-Landesfamilienminister Armin Laschet und Bundesumweltminister Norbert Röttgen.
Die NRW-Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Dött rechnet mit einem Erfolg von Röttgen. «Eine Mitgliederbefragung ist immer interessant für jemand, der bekannter ist als andere», sagte die CDU-Politikerin. Röttgen werde aus einer solchen Befragung sicher als Sieger hervorgehen. «Und diese Befragung wird stattfinden», fügte die Christdemokratin hinzu.
Ex-Integrationsminister Laschet hatte am vergangenen Freitag überraschend seine Kandidatur für die Nachfolge des bisherigen CDU-Landeschefs Jürgen Rüttgers bekanntgegeben. Ursprünglich war dies erst für den 30. August erwartet worden. Dann endet die Bewerbungsfrist für das CDU-Spitzenamt in NRW.
Röttgen, der derzeit Urlaub macht, hat sich noch nicht zu einer möglichen Kandidatur geäußert. Laut übereinstimmenden Medienberichten will sich der 45-jährige Chef des CDU-Bezirksverbands Mittelrhein ebenfalls zur Wahl stellen.
Auf einem Landesparteitag im Herbst soll dann der neue NRW-CDU-Chef gewählt werden. Sollte sich mehr als ein Kandidat bewerben, will die Partei zuvor eine Mitgliederbefragung organisieren. Ex-Ministerpräsident Rüttgers zieht sich wegen der Wahlniederlage vom 9. Mai aus der Politik zurück. Der neue CDU-Landeschef dürfte auch Nachfolger von Rüttgers als CDU-Bundesvize werden.
«Sobald es einen zweiten Bewerber gibt, sind wir für eine Mitgliederbefragung. Es darf nicht der Eindruck entstehen, als würden nur eine wenige entscheiden», sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Minden-Lübbecke, Steffen Kampeter. Der CDU-Kreischef von Mülheim an der Ruhr, Andreas Schmidt, sagte: «Eine Mitgliederbefragung ist ein Stück Demokratie.»
«Wir favorisieren die Lösung, mit der wir als Junge Union die meisten unserer Positionen durchsetzen können. Die Erfahrungen mit Jürgen Rüttgers haben gezeigt, dass eine Düsseldorfer Lösung erfolgversprechend ist», sagte Sven Volmering, der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Jungen Union. Rüttgers war Ende der 90er Jahre von der Bundes- in die Landespolitik gewechselt.
Mit rund 160 000 Mitgliedern ist die NRW-CDU der größte Landesverband der Christdemokraten. Im Falle einer Mitgliederbefragung soll nach den bisherigen Planungen ein Wahltag organisiert werden, an dem die Parteimitglieder in den Kreisverbänden ihre Stimme abgeben können. Das Votum der Mitglieder ist für den folgenden Landesparteitag, der Anfang November stattfinden soll, rechtlich nicht verbindlich. Dennoch dürfte der Sieger der Mitgliederbefragung auch bei einem möglichen knappen Ausgang neuer CDU-Landesvorsitzender werden.
Die NRW-CDU hatte bei der Landtagswahl mehr als zehn Prozentpunkte verloren. Die CDU büßte gegenüber der letzten Wahl 2005 rund eine Million Wählerstimmen ein. Mit 34,6 Prozent war es das schlechteste Ergebnis der Christdemokraten bei einer NRW-Landtagswahl überhaupt. Schwarz-Gelb wurde damit abgewählt. Seit Mitte Juli regiert im bevölkerungsreichsten Bundesland eine rot-grüne Minderheitsregierung.
Laschet sieht sich gerade wegen der relativ hohen Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen in NRW gegenüber Röttgen im Vorteil. Der 49-jährige Aachener begründete dies mit seiner Präsenz im Landtag: «Wir haben eine instabile rot-grüne Minderheitsregierung, die von der Linken toleriert wird. Wir wissen nicht, ob es nicht schon in wenigen Monaten Neuwahlen geben wird. In einer solchen Lage ist es gut, dass der Landesvorsitzende im Landtag präsent ist und tagtäglich die Regierung stellen kann.»
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