Berlin (ddp). Das Musikgenie Gustav Mahler (1860-1911) wird von rasender Eifersucht geplagt: Ein an ihn adressierter Liebesbrief war eigentlich für seine Frau Alma bestimmt. Der Absender, Architekt Walter Gropius, beschreibt darin seine Affäre mit der kapriziösen Wienerin in allen Einzelheiten. Mahler ist erschüttert, kann nicht mehr komponieren und sucht Rat beim Psychoanalytiker Sigmund Freud. In «Mahler auf der Couch» spüren die Regisseure Percy Adlon und sein Sohn Felix der Geschichte dieser für sie «tollen Frau» nach, die selbst musikalisch hochbegabt war, der aber Mahler das Komponieren verboten hatte.
Auf der Couch von Freud gibt der weltberühmte Musiker Einblick in die neunjährige Ehe mit Alma, die für ihn alles aufgibt und sich dem egomanischen Genie unterordnet. Bis es zum Ausbruch kommt, ihrer Affäre mit Gropius.
Es ist eine wahre Geschichte, die sich Vater und Sohn Adlon für ihre gemeinsame Regiearbeit vorgenommen haben. Der falsch adressierte Brief an den Ehemann, der eigentlich die Geliebte erreichen sollte, bringt ein großes Ehedrama in Bewegung. Gustav Mahler (Johannes Silberschneider) weiß sich nicht anders zu helfen in dieser Krise, als den berühmten Psychoanalytiker Freud (Karl Markovics) zu konsultieren. So fährt er um 1910 von Österreich ins niederländische Leiden, um sich mit Freud zu treffen.
Die Analyse legt den Blick frei auf eine ungewöhnlich Frau: Alma (Barbara Romaner) Schindler-Mahler, später Mahler-Werfel, eine junge Frau der Wiener Gesellschaft, umschwärmt von vielen damals berühmten Persönlichkeiten. So machten der schönen und begabten jungen Frau auch der Maler Gustav Klimt und der Komponist Alexander von Zemlinsky den Hof. Doch Alma, selbst begabte Musikerin, entschied sich für den Komponisten Gustav Mahler. «Der Herbst hat sich in den Frühling verliebt», beschreibt Mahler seine Situation.
Heute ist das Bild der Alma Mahler-Werfel eher das einer koketten, verwöhnten Dame der Gesellschaft, trinkfest und männermordend. Ihre zahlreichen Affären, so unter anderem auch mit dem Maler Oskar Kokoschka, auch während ihrer späteren Ehe mit dem Dichter Franz Werfel sind legendär. Sie galt als Muse vieler künstlerischer Berühmtheiten. Und sie war eine glühende Antisemitin, obwohl sie selbst wegen Werfel Europa während der Nazizeit verlassen musste.
Vater und Sohn Adlon entwerfen in ihrem Film nun ein etwas anderes Bild dieser üppigen Lebedame: Sie zeigen die junge Alma, die damals als das schönste Mädchen Wiens galt. «Die Alma, die wir beschreiben, ist die junge Alma in den ersten neun Ehejahren mit Gustav Mahler. Damals hatte sie noch nichts zu tun mit der Frau, die sie später wurde», sagt Percy Adlon. «Und sie bekennt sich zu Mahler, obwohl er ihr das für sie Wichtigste verbietet: das Komponieren. Nach den neun Jahren Ehe mit Mahler fängt sie was an mit Gropius, weil sie einfach leer und ausgepumpt ist.»
Almas Ehebruch öffnet Mahler die Augen, er kann nun mit frischer Kraft weiter komponieren. Alma behält Gropius als Liebhaber, bleibt aber bei Mahler, da sie befürchtet, ihn durch eine Trennung zu zerstören.
Als große Mahler-Verehrer haben Vater und Sohn Adlon der Musik in ihrem stimmungsvollen Film ganz besonders breiten Raum gegeben. «Wir haben als Filmmusik fast ausschließlich einen Satz aus der 10. Sinfonie Mahlers verwendet, die er damals geschrieben hat», sagt Felix Adlon.
(»Mahler auf der Couch«, Drama, Deutschland/Österreich 2010, 101 Minuten, FSK: 12, Regie: Percy und Felix Adlon, Darsteller: Johannes Silberschneider, Barbara Romaner, Karl Markovics, Eva Mattes, Friedrich Mücke u. a.)
Kinostart: 7. Juli 2010 (der 150. Geburtstag Mahlers)
ddp