Kommentar:
Nun ist es endlich soweit: NRW hat eine Ministerpräsidentin. Hannelore Kraft ließ sich im zweiten Wahlgang von den SPD- und Grünen-Anhängern zur ersten Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen wählen.
Im zweiten Wahlgang – warum eigentlich?
Es fehlt eine Stimme zur absoluten Mehrheit. Dauerhaft.
NRW steht nun vor – positiv ausgedrückt – interessanten Tagen, denn die neue Landesregierung ist auf die Zusammenarbeit mit den Linken angewiesen. Auch wenn Kraft und Co. an alle Parteien appellierten, zusammen zu arbeiten, wird doch niemand ernsthaft glauben, dass CDU und FDP Gesetzesvorhaben ihre Stimme geben, denen die Linke ebenfalls zustimmt. Mal ganz einfach: "dat klappt nie."
Was also wird passieren? Bei jedem Gesetzesvorhaben werden SPD und Grüne als neue Landesregierung ohne Mehrheit hoffen müssen, dass die Linken mitspielen, obwohl sie eigentlich mit der Linken nicht zusammenarbeiten wollten. Kraft selbst hatte darauf hingewiesen, dass die Linken nicht regierungsfähig seien. Sie selbst aber nun dummerweise auch nicht. Zumindest nicht ohne die Linken.
Betrachtet man die Gesamtlage, war es taktisch wichtig, die Regierungsarbeit zu übernehmen. Die Mehrheit von CDU und FDP in der Länderkammer wurde gebrochen. Die SPD-Strategen können von einem Sieg sprechen, obwohl die SPD bei der Wahl wieder Prozente verloren hat. So macht das Leben Spaß, Gewinner sein mit schlechteren Werten. Wenn Arbeitnehmer jedes Mal mehr Geld bekommen würden, wenn sie schlechter arbeiten, würde Deutschland morgen nicht mehr existieren, zumindest wirtschaftlich nicht. In der Politik steht man als Sieger da.
Andererseits erhofft sich die SPD vielleicht auch einen Vorteil bei Neuwahlen, falls diese notwendig werden. Eine Partei an der Macht hat einen kleinen Regierungsbonus, die Menschen nehmen die Ministerpräsidenten anders wahr, vor allem wirkt Frau Kraft sympatischer als der neue Faktionsvorsitzende Laumann von der CDU. Also rein subjektiv…. Ob das in Kompetenz umgemünzt werden kann, wird Frau Kraft erst beweisen müssen.
Auf jeden Fall ist klar, dass sich in den nächsten Wochen und Monaten das Land NRW auf Streitereien und Blockadevorwürfe freuen darf, allerdings nicht auf gute Politik. Damit soll nicht das Programm der neuen Landesregierung beurteilt werden. Einzig die Tatsache, dass scheinbar keiner und dennoch alle die Macht haben, etwas zu entscheiden. Das hat niemand gewollt. Vor allem nicht mal die Wähler.
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