München (ddp-bay). Jedes Jahr strömen deutlich mehr als eine Million Besucher in die Münchner Museen. Allein die erst im Mai vergangenen Jahres eröffnete Sammlung Brandhorst zog bislang fast 300 000 Kunstinteressierte an die Isar. Die Bandbreite der in München ausgestellten Kunst reicht vom Beginn der Menschheitsgeschichte bis zur Gegenwart. Im Fokus des Besucherinteresses steht das sich ständig weiterentwickelnde «Kunstareal» mit den Pinakotheken, dem Museum Brandhorst, dem Lenbachhaus und vielen Galerien.
Für den Kulturreferenten der Stadt, Hans-Georg Küppers, spielt München auf dem Feld der Kunst in einer Liga mit internationalen Metropolen. «Das ´Kunstareal´ mit den Staatsgemäldesammlungen ist ein Museumsquartier, mit dem wir unsere internationale Positionierung als Kunststadt weiter ausbauen können», sagt Küppers. Doch es seien nicht allein die großen Namen, die Münchens Ruf als Kulturstadt prägten, sondern auch zahlreiche Kunst- und Kultureinrichtungen in den Stadtvierteln.
Zu den großen Namen zählt seit Mai 2009 das Museum Brandhorst. Mit seiner aus kräftigen Farben auffällig gestalteten Fassade hat es seinen Platz in der städtischen Museumslandschaft gefunden und gilt bereits als gute Ergänzung zu den umfangreichen Beständen der Pinakothek der Moderne. Den Besucherzahlen nach zu urteilen, läuft die private Sammlung zeitgenössischer Kunst der 1970er, 80er und 90er Jahre den etablierten Museen derzeit den Rang ab. «Für die relativ kurze Laufzeit sehr beachtlich», findet Museumsdirektor Armin Zweite das Interesse der Besucher. Er ist vom bisherigen Erfolg selbst überrascht.
Vor der Eröffnung habe es viele Diskussionen und negative Kommentare über das neue Museum gegeben. «Das hat sich mit der Eröffnung schlagartig gelegt», sagt Zweite. Die Akzeptanz beim Publikum sei «außerordentlich gut», auch wenn der Direktor nicht von einem «riesigen Massenandrang», sondern eher von «kontinuierlich gutem Zuspruch» sprechen mag.
Zweite geht fest davon aus, dass der Besucherandrang mit der Zeit ein wenig nachlassen wird, sobald die erste Neugier der Kunstinteressierten gestillt ist. Dann könne das Haus mit seinen rund 700 Werken, darunter Gemälde von Andy Warhol und eine nach Ansicht Zweites europaweit einzigartige Sammlung von Cy Twombly, seinen Platz in der Münchner Museumslandschaft einnehmen. Der Direktor sieht seine Sammlung ohnehin nicht als Konkurrent für die etablierten Häuser im sogenannten Kunstareal. Vielmehr sei das Museum «Teil eines Ensembles, einer unglaublichen Zusammenballung, die nur mit der Berliner Museumsinsel zu vergleichen ist».
Doch während Kulturreferent Küppers die Stadt auf internationalem Niveau sieht, teilt Zweite diese Einschätzung nur bedingt: «München fehlt es an einer Lokalität für große internationale Ausstellungen», findet der Direktor des Museums Brandhorst. Wann immer eine bedeutende Werkschau in der Stadt zu sehen sei, müssten die Häuser ihre eigenen Sammlungen wegräumen, um Platz zu schaffen. «Die städtische und staatliche Kulturpolitik muss daran sehr intensiv arbeiten, damit München nicht den Anschluss verliert», sagt Zweite.
Kulturreferent Küppers verweist auf die 50 Millionen Euro teure Renovierung des Lenbachhauses. «Die städtische Galerie im Lenbachhaus war bisher so erfolgreich, dass die Kapazitäten der ehemaligen Künstlervilla nicht mehr ausreichten, den Besucherandrang zu bewältigen», sagt Küppers. Durch die noch bis 2012 dauernde Renovierung und einen neuen Anbau werde genug Raum für «höchst attraktive Wechselausstellungen» geschaffen. Aber auch er sieht noch Verbesserungsbedarf. «Unsere Aufgabe ist es jetzt, das reichhaltige Angebot noch besser zu vermitteln und zu kommunizieren», sagt Küppers.
Um für Besucher die Informationen über die mehr als 50 Münchner Museen in unterschiedlicher Trägerschaft zu bündeln, haben die Institutionen unterstützt von der Stadt und dem Wissenschaftsministerium des Freistaates Ende Februar ein gemeinsames Internetportal gestartet.
(ddp)