Berlin (ddp). Mit einer neuen Programmoffensive will die FDP angesichts dramatischer Umfragewerte das Vertrauen der Wähler zurückerobern. Der Bundesvorstand der Liberalen setzte am Montag eine 32-köpfige Kommission ein, die unter Führung von Generalsekretär Christian Lindner das künftige Profil der Partei erarbeiten soll. Parteichef Guido Westerwelle räumte im Anschluss an die zweitägige Klausur Fehler in der Vergangenheit ein. Die Frage, ob Westerwelle den Parteivorsitz und das Amt des Außenministers weiterhin gleichzeitig ausüben soll, hat den Angaben nach aber bei den Beratungen keine Rolle gespielt.
Bis zum Bundesparteitag der Liberalen 2012 soll das neue Grundsatzprogramm der FDP stehen. Nach Angaben von Westerwelle wollen die Liberalen neben Wirtschafts- und Arbeitsmarktfragen auch ihre Konzepte zur Bildung, rationale Umweltpolitik und Bürgerrechte künftig stärker nach außen tragen. «Wir dürfen nicht die Probleme der Politik, sondern müssen zuallererst die Probleme der Menschen in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen», betonte er.
Zugleich stellte der Parteichef klar: «Die FDP nimmt einen neuen Anlauf, aber wir bleiben bei unseren Themen und unserem Kurs: Freiheit vor Gleichheit, Erwirtschaften vor Verteilen, Privat vor Staat.» Und fügte hinzu: «Wir waren keine Ein-Themen-Partei, wir waren keine Ein-Mann-Partei – und wir werden es auch nicht werden.»
Der Programmkommission gehören unter anderem der ehemalige Parteivorsitzende Wolfgang Gerhardt, Finanzexperte Volker Wissing, Arbeitsmarktexperte Johannes Vogel, Familienexpertin Miriam Gruß, Sachsens FDP-Landeschef Holger Zastrow, Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, Ex-DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun und der Chef der Jungen Liberalen, Lasse Becker, an. Im Oktober 2010 will die FDP mit einem Auftaktkongress eine öffentliche Debatte über die neue Strategie einleiten.
An den Entlastungsplänen hält die FDP derweil fest. Lindner sprach am Sonntag bereits von einer «Spardividende», die im Falle einer erfolgreichen Haushaltskonsolidierung an die Bürger weitergegeben werden solle. Der Bundesvorstand forderte zudem, dass die im Koalitionsvertrag beschlossene Kommission zur Neuordnung des Mehrwertsteuersystems bald mit der Arbeit beginnen müsse. Ermäßigungen, die nicht nachvollziehbar oder ungerecht seien, sollten abgeschafft werden. Partei-Vize Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, Steuerexperte Herrmann Otto Solms und Finanzexperte Volker Wissing sollen dazu Vorschläge erarbeiten.
Am Sonntag hatte der Bundesvorstand und die Fraktionsspitze der Liberalen bis kurz nach Mitternacht über die Zukunft ihrer in der Wählergunst dramatisch abgestürzten Partei gesprochen. Lindner sprach am Rande des Treffens von einer «sehr ernsthaften und intensiven Aussprache». Der Bundesvorstand habe anschließend Westerwelle den Rücken gestärkt. Der Parteichef war in den vergangenen Wochen auch aus den eigenen Reihen deutlich für seinen Kurs kritisiert worden.
ddp