Berlin (ddp). Die Gründer der vom Aus bedrohten renommierten Fotogalerie C/O Berlin im historischen Postfuhramt suchen einen neuen Standort. Zwar habe der neue Eigentümer des Gebäudes «unverbindlich» eine Fristverlängerung bis Ende 2011 angeboten, aber perspektivisch wollten sie auf einem unbebauten Grundstück in der Mitte der Stadt einen Neubau errichten, sagte Ingo Pott dem «Tagesspiegel».
Sie wünschten sich einen Ort, «der wirklich auf uns zugeschnitten wird». Bisher hätten die bestehenden Gebäude sie geformt, nun würden sie gerne «einen Solitär selbst gestalten». Neben einem Café werde dringend Klimatechnik gebraucht, um die Arbeiten bedeutender Fotografen zu schützen, sagte Marc Naroska. Ins Auge gefasst seien unter anderem eine Brachfläche hinter dem ebenfalls vom Aus bedrohten Kunsthaus Tacheles nahe dem Postfuhramt sowie ein Gelände am Humboldthafen neben dem Hauptbahnhof.
Nach Darstellung von Stephan Erfurt wolle die Galerie den Neubau nicht geschenkt bekommen, brauche aber Unterstützung. Er appellierte an Politik und Privatwirtschaft, ihnen ein «Gebäude oder geeignetes Grundstück» zur Erbpacht bereitzustellen. «Das werden wir dann als öffentlichen, lebendigen Ort für Fotokultur entwickeln», sagte Erfurt.
Er verwies darauf, dass die Galerie 2009 fast 200 000 Besucher zählte und zu einem «Leuchtturm für Fotografie in Deutschland» geworden sei. Abgesehen von einigen kleinen Projektförderungen habe die Privatinitiative in den vergangenen zehn Jahren keine öffentlichen Gelder genommen. Spätestens Ende September müsse es Klarheit über die Zukunft geben, sagte Erfurt.
Die jetzigen Besitzer, eine israelische Investorengruppe, hatten die Immobilie erworben, um dort unter anderem ein Hotel und Wohnungen zu errichten. Sie kündigten den Mietvertrag mit der Galerie zunächst im Frühjahr mit einer Frist von wenigen Wochen. In ersten Verhandlungen konnte dann ein Termin Ende März 2011 vereinbart werden. Die Frist sei jedoch viel zu kurz, weil die Ausstellungen sehr langfristig geplant werden müssten, sagte Erfurt. Eine Lösung erhofften sich die Betreiber der Galerie von einem weiteren Treffen mit dem neuen Eigentümer des Postfuhramtes, die für Anfang August in Berlin geplant sei.
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