Baden-Baden (ddp). Einen ganz persönlichen Einblick in die Kunst von Joan Miró bekommen die Besucher der Ausstellung «Miró. Die Farben der Poesie» im Museum Frieder Burda in Baden-Baden ab dem 2. Juli zu sehen. Joan Punyet Miró, einer der Enkel, hat für diese Ausstellung über 20 Werke zur Verfügung gestellt, die noch nie außerhalb Spaniens und teilweise sogar noch nie öffentlich zu sehen waren.
Punyet Miró erinnert sich an seinen Großvater weniger als einen Opa, der mit seinen Enkeln spielte, sondern als Künstler, den er im Atelier besuchte. Miró war schon 85, als sein Enkel erst 10 Jahre alt war. Der Enkel sieht seinen Großvater als «einen Revolutionär der Malerei, einen Maler des Lichts, einen Meister des Sturms».
Spannend ist der Einblick in die Anfänge des Künstlers. Da gibt es eine fast naive Abbildung eines Städtchens in fröhlichen Farben mit dem Titel «Mont-roig, l’église et le village» (Mont-roig, Kirche und Dorf). Dieses Bild aus dem Jahr 1919 hing im Esszimmer der Eltern von Joan Punyet Miró. «Mein Großvater sagte, Mont-roig, das Dorf in der Nähe von Tarragona, sei wie eine Religion für ihn gewesen, ein heiliger Ort. Mein Vater ist in Mont-roig geboren und ich war oft dort», berichtet der Enkel.
Kurator Jean-Louis Prat, der mit dem 1983 verstorbenen Künstler 17 Jahre lang befreundet war, verweist mit Blick auf das Bild des Heimatdorfs auf den Mann im Vordergrund, der den Boden bearbeitet: «Miró war sehr erdverbunden. Darin sind seine katalanischen Wurzeln deutlich zu sehen», erklärt er. Tatsächlich ist auf vielen Bildern die Dualität von Himmel und Erde zu sehen, wobei der Himmel keineswegs immer blau und die Erde nicht unbedingt braun sein muss. Auch Tiere spielen eine wichtige Rolle im Werk des Künstlers, vor allem Vögel. «Miró hat nicht einfach einen Vogel abgebildet, er hat die Vorstellung von der Freiheit eines Vogels eingefangen», meint Jean-Louis Prat.
Fünf Jahre haben der Künstlerenkel, Kurator Jean-Louis Prat und Frieder Burda an der Schau gearbeitet. Aus dem durchaus überschaubaren Gesamtwerk Mirós mit 1400 Arbeiten sind insgesamt 100 Leihgaben bis zum 14. November zu sehen.
«Die Metamorphose der Materie ist typisch für die Kunst von Juan Miró», sagt Jean-Louis Prat, Kurator der Ausstellung. Ein knallig bunter Totempfahl begrüßt die Besucher der Ausstellung «Miró. Die Farben der Poesie» im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Wer genau hinschaut, entdeckt Überraschendes: Der Totempfahl stellt eine Frau dar, zusammengesetzt aus ungewöhnlichen Elementen wie einem rot lackierten Schildkrötenpanzer, einem gelben Sonnenhut mit roter Nase und roten Bällen.
Ausgehend vom Frühwerk im Obergeschoss des Museums Frieder Burda hat der Kurator konsequent Arbeiten ausgewählt, in denen die Umbrüche und Neuanfänge in Mirós Stil zum Ausdruck kommen. «Er hat immer wieder eine neue Sprache entwickelt», sagt Prat zur Formensprache des Künstlers, die zunehmend reduzierter, symbolischer und luftiger wird. «Aber hinter jedem scheinbar spontanen Strich steht ein intensives Nachdenken. Miró hat sehr bedächtig gearbeitet», sagt Prat weiter.
Das gilt auch für die Keramiken, die der spanische Maler zusammen mit seinem katalanischen Künstlerfreund Josep Llorens Artigas gestaltet hat. Die Verwandlung des Rohlings im Feuer hat Miró fasziniert, sagt Prat. Genauso aufregend war für ihn die Wirkung des Meerwassers auf seine Keramikskulptur «La déesse de la mer», die Miró im Meer bei Antibes versenken und nach drei Jahren wieder herausholen ließ. Diese «Meeresgöttin» ist im großen Saal des Erdgeschosses zu sehen, zusammen mit weiteren Skulpturen und den späten großformatigen Gemälden. Neben den reinen, klaren Farben prägen originelle Formen das Werk Mirós. «Seine Kunst ist wie eine Sprache, deshalb habe ich die Ausstellung ‘Die Farben der Poesie’ genannt», schmunzelt Jean-Louis Prat.
ddp