Wer uns jetzt regiert – Guido Westerwelle

Wer uns jetzt regiert – Guido Westerwelle

Bild © by www.guido-westerwelle.de

Bundesaußenminister

Die große weite Welt…

“Quod licet lovi, non licet bovi”, was frei aus dem Lateinischen übersetzt so viel heißt wie “was dem an der Spitze erlaubt ist, ist noch lange nicht allen erlaubt”. Das ist heute genau so wie zu Jupiters göttlichen Zeiten. Das Auswärtige Amt, Deutschlands elitärste Behörde, hat die strengsten Aufnahmebedingungen. Wer nicht zwei Fremdsprachen spricht, braucht sich gar nicht erst um den diplomatischen Dienst bewerben. Es sei denn, man steigt ganz oben ein. Westerwelle hat wegen mangelnder Englischkenntnisse nichts zu befürchten. Auch sein Ziehvater Genscher kannte, als er 1974 ins Amt kam, nur wenige englische Wörter. Der Sprachendienst des Amtes bietet Nachhilfestunden an.…

Außenminister wird in Koalitionsregierungen der kleinere von zwei Partnern. Das ist Gewohnheitsrecht seit 1966. Wie seine Vorgänger erkennt Westerwelle für sich den größten Nutzen im Außenamt. In kurzen Abständen kann er aus den nationalen Misshelligkeiten entschwinden und auf Weltreisen im Dienst für Deutschland gehen. Er verkehrt mit internationalen Kollegen, die an der Weltkugel drehen und ihr Land ins rechte Licht rücken. Er kürzt keine Renten und setzt keine Steuern herauf, braucht nicht mit Gewerkschaften um Lohn und Arbeitszeiten zu kämpfen. Das macht der Innenminister für ihn. Mit einem Wort: Ein Politiker, der an sein persönliches Schicksal denkt, muss so ein Amt anstreben.

Die Befähigung zum Außenminister ergibt sich aus der bisherigen Karriere der rheinischen Frohnatur. Rechts des Rheins 1961 in Bad Honnef geboren, links des Rheins in Bonn studiert, Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften mit der Dissertation “Das Parteienrecht und die politischen Jugendorganisationen”. 1991 Zulassung als Rechtsanwalt in Bonn. Die Eltern, beide Rechtsanwälte, hatten es ihm vorgemacht.

1980 trat er der FDP bei. 21 Jahre später hatte seine “Knochentour” den höchsten Punkt erreicht. Er wurde jüngster Vorsitzender der FDP. 2002 trat er als erster Kanzlerkandidat bei Äquidistanz zu den beiden Volksparteien in einen Wahlkampf ohne Koalitionsaussage ein, was ein Fehler war. Spötter sprachen von einem Spaßwahlkampf von Westerwelle mit Besuch im Container von Big-Brother und den “18 %” unter der Schuhsohle. Es wurden jedoch nur 7,4 % für die Liberalen. Somit Start ins fünfte Jahr Opposition im Bundestag. Es sollten insgesamt 11 werden. Unter seiner Führung wuchs das Ansehen der FDP langsam, aber stetig. Links war plötzlich nicht mehr so gefragt. Der Niedergang der SPD und der Unsinn der ganz Roten unter Lafontaine eröffnete neue Chancen für das bürgerliche Lager. Plötzlich wurde die FDP in der Demoskopie wieder zweistellig. Westerwelle ging das Risiko ein, sich mit einer Koalitionsaussage ohne wenn und aber fest an die Union zu binden. Auch unzufriedene CDU-Wähler konnten jetzt FDP wählen, um Angela Merkel zu behalten. Die Rechnung ging auf. Westerwelle rettete schwarz-gelb.

Die freie Marktwirtschaftspartei wäre allerdings besser beraten, das Wirtschaftsministerium an ihre stärkste und nicht an eine schwache Figur zu geben. Aber Westerwelle, von Genscher getrieben, wollte auf die Belohnung Außenamt nicht verzichten..

Wolfgang Wiedemeyer

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