© by Hauk Medienarchiv, Alexander Hauk, www.pixelio.de
Bundeskanzlerin
Chefin im Ring
Ostdeutsch – Frau – protestantisch. Attribute, die auf einen Kanzlerkandidaten anzuwenden, einem Werbefachmann ganz bestimmt nicht in den Sinn gekommen wären. Angela Merkel hat diesem Handicap getrotzt und bleibt Bundeskanzlerin. Ihre hohe Popularität hat der Union aus CDU und CSU nicht den erwarteten Stimmenzuwachs gebracht, aber sie war und ist für die CDU/CSU ein Glücksfall. Ohne sie hätte es für schwarz-gelb nicht erreicht.
Sie wusste, je näher der Wahltermin 27.9.09 kam, dass sie die Empfehlung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck, schon mal die Koffer zu packen, nicht ernst nehmen musste; nur nicht von wessen Gnaden.
Mit der auf 23 % abgestürzten SPD wäre das Regieren auf Koalitionsbasis leichter als mit der sich baumstark fühlenden FDP, die, was oft vergessen wird, seit Bestehen der Bundesrepublik der Union gleichviel genutzt wie geschadet hat. Deshalb kann man auch dieses Mal für die erste schwarz-gelbe Koalition im 21. Jahrhundert nicht die Hand ins Feuer legen.
Angela Merkel wurde 1954 als Angela Dorothea Kasner geboren. Einige Wochen nach ihrer Geburt siedelte die Familie in die DDR über. Angela Merkel verbrachte ihre Schulzeit in Templin, sie war eine gute Schülerin. Nach dem Physikstudium in Leipzig machte sie ihren Doktor in Physikalischer Chemie. Nach der Wende 1989 trat sie erst dem “Demokratischen Aufbau” bei und 1990 dann der CDU. Dort machte sie schnell Karriere, 1991 wurde sie Ministerin für Frauen und Jugend, 1994 Umweltministerin und 2000 übernahm sie den Bundesvorsitz der CDU. Seit 2005 ist sie Bundeskanzlerin.
Um die 60 % der Bürger glauben, dass sie die denkbar beste Regierungschefin in diesen schweren Zeiten ist, aber nur 33,8 % haben ihre Partei gewählt. Spötter nannten sie Kohls Mädchen. Er hatte sie 1991 erstmalig zur Ministerin ernannt. Sie hat es ihm schlecht gedankt und 1991 in einem offenen Brief in der FAZ die CDU aufgerufen, sich wegen der Parteispendenaffäre vom Ehrenvorsitzenden Kohl zu lösen. Sie hat Kohls Erbe angetreten, aber die Inhalte ihrer Politik stimmen nicht mehr mit der politischen Identität der CDU überein. Das erklärt, warum die CDU nicht einmal mehr 35 % erreicht, aber 218 der 299 Wahlkreise direkt gewinnt und damit den Anspruch auf das Prädikat Volkspartei verteidigt.
Was wird Angela Merkel mit der erneuerten Kanzlerschaft anfangen? In ihren eigenen Reihen stößt sie auf großes Misstrauen. Die Diskrepanz zwischen der flächendeckenden Zahl der Direktmandate und dem Zweitstimmenergebnis der CDU stützt den Vorwurf der Sozialdemokratisierung, den die rheinisch-katholisch-konservativen Hardliner links und rechts des Rheins auch in den kommenden vier Regierungsjahren der protestantischen Frau aus dem Osten gegenüber zu artikulieren Gelegenheit haben werden.
Copyright: Wolfgang Wiedemeyer
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Die Reihe “Wer uns jetzt regiert” ist ein Glücksfall für pour-hommes. Wir sind auf die Fortsetzungen abonniert.
Viel Erfolg für Eure Zeitschrift. Sie ist auch für Senioren durchaus “annehmbar”.
Viele Grüße,
D. und G.