Zu jung fürs Bundesministeramt?

Zu jung fürs Bundesministeramt?

Berlin (ddp). Als Bundesgesundheitsminister hat sich der 37 Jahre alte Philipp Rösler eine große Last aufgeladen: Der Hoffnungsträger der FDP muss das komplexe Gesundheitssystem reformieren. Das sei eine Mammutaufgabe, über die schon gestandene Bundesminister gestolpert seien, findet der Berliner Politikberater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle. Einem «Himmelfahrtskommando» komme es daher gleich, den Jungpolitiker für dieses schwierige und komplexe Ministeramt nominiert zu haben. Da werde ein «großes politisches Talent» womöglich vorschnell «verheizt».

Viel ist geschrieben worden über die drei jungen Gesichter im neuen Bundeskabinett. Dazu gehören neben Rösler auch die 32 Jahre alte Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der 38 Jahre alt ist. Oft stand dabei die Frage im Raum, ob die drei genauso kompetent sind wie ältere Politiker.

»Ich finde, das Alter ist relativ, entscheidend ist die konkrete Person«, sagt Claudia Crawford aus eigener Erfahrung. Gerade einmal 28 Jahre alt war sie, da wurde die Thüringerin unter ihrem damaligen Namen Claudia Nolte 1994 CDU-Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Charaktereigenschaften wie Offenheit, eine schnelle Auffassungsgabe, Hartnäckigkeit und Kritikfähigkeit seien die wichtigsten Kriterien für das Ministeramt, findet sie.

»Praktische Berufserfahrung würde ich nicht so hoch bewerten. Denn es gibt keinen Beruf, der Sie auf ein Ministeramt vorbereiten kann, das in seinen Anforderungen einfach unglaublich breit ist«, betont Crawford. Am besten sei im Kabinett ein »guter Mix zwischen älteren und jüngeren Ministern«: »Ein junger Minister geht vielleicht offener an Dinge heran. Er ist außerdem näher an der Lebenswirklichkeit der jungen Leute.«

Anderer Meinung ist da Schmidt-Deguelle, der einst Regierungssprecher von Hessens Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) war und später den damaligen Bundesfinanzminister Eichel beriet. “Lebenserfahrung und auch praktische Berufserfahrungen sind ein ungeheurer Vorteil», sagt der 59-Jährige. Zu jung Bundesminister zu werden sei ein «hohes Risiko». Denn man müsse unbedingt die «Abgründe des Amtes» einschätzen können, findet der Politikberater mit Blick auf kritische Journalisten, neidische Untergebene und das ganz alltägliche Politikgerangel in Berlin: «Learning by doing ist das gefährlichste, was man machen kann.»

So ist es nach Ansicht Schmidt-Deguelles Unerfahrenheit gewesen, die Rösler in einem Fernsehinterview dazu getrieben habe, seine politische Karriere an die Umsetzung der umstrittenen Kopfpauschale im Gesundheitswesen zu knüpfen «Solche Sprüche lässt man tunlichst sein», betont Schmidt-Deguelle. Er würde jedem aufstrebenden Jungpolitiker raten, zunächst in der «zweiten Liga», beispielsweise als Staatssekretär, seine Erfahrungen zu sammeln.

Familienministerin Schröder habe es da einfacher als Rösler, weil die »Familienpolitik ein ganz altes CDU-Feld ist«, sagt der Politikberater. Aber auch sie müsse sich inhaltlich erst noch beweisen. Die ehemalige CDU-Politikerin Crawford hingegen sieht Schröder auf einem guten Weg: »Ich denke, dass sie eine Vorstellung von ihrem Amt hat und dass sie dort gut reinwachsen wird.«

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) spielt, obwohl er nur wenige Jahre älter als Rösler ist, nach Ansicht des Politikberaters in «einer ganz anderen Liga». Bei der Bevölkerung komme er sehr gut an: «Guttenberg befriedigt die heimliche Adelssehnsucht der Deutschen». Noch dazu habe Guttenberg mit seiner Ehefrau Stephanie eine öffentlichkeitswirksame Dame mit «Lady Diana-Effekt» an der Seite, findet der Politikberater. Auch genieße Guttenberg vollen Rückhalt seiner Partei, weil er ein wichtiger CSU-Minister in Berlin sei.

Guttenbergs Akzeptanz zeige, dass man «auch in diesen Ressorts nicht unbedingt 60 Jahre alt sein» müsse, um für voll genommen zu werden, findet Crawford. Die gebürtige Rostockerin kam eher zufällig in die Politik. Zum Ende der ehemaligen DDR hatte sie begonnen sich im thüringischen Ilmenau gegen das System zu engagieren und landete 1990 prompt im ersten gesamtdeutschen Bundestag. Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) machte die damals 28-Jährige dann 1994 zur Ministerin.

«Ich hab sicherlich meine Arbeit gut gemacht. Hinzu kam der Wunsch des Bundeskanzlers, Leute aus den neuen Ländern und Frauen in der Regierung zu haben», erzählt Crawford ganz offen. Anfangs habe sie gezögert, ob sie wegen ihrer Jugend das Amt wirklich annehmen sollte. »Aber dann dachte ich mir: Was hast Du eigentlich zu verlieren?« So eine Chance zu gestalten bekomme man nur einmal.

Bereut habe sie ihre Entscheidung nie. »Es waren vier sehr gute Jahre und diese Erfahrung kann mir keiner nehmen», sagt die 44-Jährige, die ab April das Auslandsbüro Großbritannien der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung leiten wird.

(ddp)

Uhrzeit

Get Adobe Flash player Wordpress Plugin By California Accountant

Wetter

Fair Hamburg 21°
Light Rain Berlin 20°
Fair Cologne 22°
Cloudy Frankfurt 21°
Partly Cloudy Munich 22°

Body Mass Index