München (ddp). Neue Jury, alte Aufgaben, schwache Einschaltquote. Heidi Klum hat mit ihrer Castingsendung «Germany´s Next Topmodel» erstmals seit Jahren zum Staffelauftakt Zuschauer eingebüßt. 3,04 Millionen Menschen – und damit fast 900 000 weniger als 2009 – sahen am Donnerstagabend bei ProSieben zu. Parallel zu Klums Sendung lief in der ARD die Verleihung des Musikpreises Echo, die durchschnittlich 3,42 Millionen Zuschauer verfolgten. Neben der Konkurrenz war auch der Inhalt der ersten «Topmodel»-Folge nicht dazu geeignet, Zuseher am Bildschirm zu fesseln: In den gut zwei Stunden stellte sich schon bald Langeweile ein.
Dabei feierten neben Klum die beiden neuen Juroren, der Fotograf Kristian Schuller und der Marketingmann Qualid «Q» Ladraa, ihren Einstand. Klum hatte sich von ihren bisherigen Jury-Kollegen getrennt, weil ihr «eine neue Entwicklung» in der Show wichtig gewesen sei, hatte Schuller im ddp-Interview erklärt. Von frischem Wind allerdings war nichts zu spüren, im Gegenteil. Nahezu identisch wie der Auftakt der vergangenen Staffel lief die erste Folge ab: Bei einem offenen Casting – diesmal in Köln – wurden rund 2000 anfangs laut kreischende Bewerberinnen im Schnelldurchgang auf dem Laufsteg inspiziert. Geeignete Kandidatinnen wurden – nach dem Motto «Die guten ins Töpfchen» – nach links vom Catwalk gelotst, die anderen konnten den Heimweg antreten.
Neu war eigentlich nur ein so genannter Buzzer, mit dem die Juroren einen lauten Signalton auslösen und so den Gänsemarsch auf dem Laufsteg stoppen konnten, um Fragen zu stellen wie: «Nenn mir einen Grund, warum wir dich nehmen sollten?» Der Fokus lag erwartungsgemäß auf den schrägeren Kandidatinnen: Die 19-jährige Nadine etwa kann nach einem Kreuzbandriss seit elf Jahren nur mit Schiene laufen, verkündete aber: «Für den Traum, Model zu werden, würde ich alles tun.» Schuller riet: «Werd´ Fotografin, macht viel mehr Spaß.»
Kandidatin Miriam ist ein «Stunt-Model», die halsbrecherische Einsätze gewohnt ist und sich deshalb gute Chancen für die fiesen Aufgaben von Klum und Kollegen ausrechnet und bereits ahnte: «Es wird schwierig für mich, mit den Mädchen auszukommen.» Genau wie einst «Topmodel»-Kandidatin Gina-Lisa musste sich diesmal Anna – nach eigenen Worten Miss Russland 2009 – zähneknirschend von ihrem üppigen Make up verabschieden («Ich war geschockt»). Sie zog in die nächste Runde ein und wird wohl ebenso wie Gina-Lisa noch länger zu sehen sein, um unter den Mädchen für Stimmung und sicher auch Zickenkrieg zu sorgen. Staunen durfte man auch, als eine Kandidatin mit fester Zahnspange weiterkam: «Dein Lächeln wollen wir sehen, die Spange ist vergänglich», sagte Schuller.
Der Fotograf, der Klum aus Sorge um sein Image zunächst eine Absage für die Jury erteilt hatte, fiel anders als sein Vorgänger Peyman Amin bislang nicht durch besonders böse Kommentare auf. «Q» behauptet von sich: «Ich kann aus 20 Kilometer Entfernung sagen, ob Du Potenzial hast oder nicht.» Als Juror blieb er bei seiner Premiere aber äußerst blass und trat deutlich weniger in Erscheinung als Schuller und Klum. «Q» sei «supersüß und supersexy», hatte diese seine Stärken kommentiert.
Rund 30 der rund 2000 Kandidatinnen schafften den Einzug in Folge zwei. Was aus den Damen geworden ist, die sich schriftlich beworben hatten, blieb auch diesmal unklar. Mit der Zuschauerresonanz auf den Start der fünften Staffel sei ProSieben «sehr zufrieden», gab eine Sendersprecherin am Freitag zu Protokoll. Bei den jüngeren Zuschauern (14 bis 49 Jahre) war die «Topmodel»-Show am Donnerstagabend mit 2,32 Millionen Zuschauern und einer Quote von 18 Prozent zwar Marktführer. Im Vorjahr hatte die erste Folge in dieser Zielgruppe allerdings noch 2,99 Millionen Zuschauer (23,8 Prozent) geholt. Insgesamt war es der zweitschlechteste Start für Klums Sendung seit der ersten Staffel 2006.
(ddp)
