Köln (ddp). Der Schriftsteller Martin Walser hat den sofortigen Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan gefordert. Walser (82). «Es gibt kein Bündnis, das diesen Einsatz rechtfertigt”, sagte der 82-jährige Schriftsteller dem Literatur-Magazin der DuMont-Gruppe (Mittwochausgabe). Er fordert: «Raus, raus, raus. Raus aus Afghanistan.» Deutschland verhalte sich wie eine typische Großmacht: «Großmächte können nichts lernen, das ist bewiesen. Die müssen daran kaputtgehen, kippen oder kleiner werden.»
Walser äußert sich auch über den Kritiker Marcel Reich-Ranicki. Dessen Verriss des Romans «Jenseits der Liebe» (1976) sei der schlimmste Schlag gewesen, der ihm im Literaturbetrieb versetzt worden sei. Die Auseinandersetzung mit dem Kritiker und dessen «Machtposition» steht im Zentrum des jetzt erscheinenden Tagebuchs aus den Jahren 1974 bis 1978. Über seine Aufzeichnungen sagt Walser: «Das ist ganz klar – das habe ich gebraucht, sonst wäre ich erstickt.»
In der Debatte um Helene Hegemann, die in ihren Roman «Axolotl Roadkill» fremde Texte integriert hat, stützt Walser der 18-jährigen Autorin den Rücken. «Die Anfangsgeschwindigkeit hat sie doch von sich. Andernfalls würde sie das nicht alles herholen wollen.»
(ddp)
