Wiesbaden (ddp). Tankstellen verkaufen mittlerweile so einiges: Frische Brötchen, Tiefkühlkost und sogar Lesebrillen. Doch sind solche Fertigbrillen überhaupt sinnvoll – oder sollte man besser die Finger davon lassen? «Fertigbrillen sind an sich nicht gefährlich. Man kann sich die Augen damit nicht kaputt machen», sagt der Augenarzt Klaus Heckmann aus Wiesbaden. «Allerdings ist der Sehfehler bei den meisten Menschen nicht auf beiden Augen gleich. Da es Fertigbrillen aber immer nur mit einheitlicher Stärke für beide Augen zu kaufen gibt, nutzen sie meist nichts. Man sieht nicht optimal und hat im schlimmsten Falle Kopfschmerzen.» Hinzu komme, dass solche Brillen keine zusätzlichen Brechungsfehler wie eine Hornhautverkrümmung korrigierten.
Sei die Fehlsichtigkeit auf beiden Augen gleich und liege keine Hornhautverkrümmung vor, so könne die Fertigbrille vorübergehend als Lesehilfe dienen, erklärt Heckmann. Dies sei aber immer nur eine Übergangslösung, beispielsweise weil die eigentliche Lesebrille im Urlaub kaputt gegangen ist.
Auch nach einer Operation wegen Grauen Stars könne eine Fertigbrille zeitweilig aushelfen: «Bei dieser Operation ersetzen Augenärzte die eingetrübte körpereigene Linse durch eine klare Kunstlinse, die das Auge normalsichtig macht», erklärt Heckmann. Natürlich könne es dann gerade bei älteren Menschen sein, dass sie, nachdem beide Augen operiert wurden, trotzdem noch eine Lesebrille benötigen. «Da die bleibende Sehstärke aber erst einige Wochen nach der Operation bestimmt wird, kann auch hier als Überbrückung eine Fertigbrille beim Lesen helfen.»
Heckmann empfiehlt, sich beim Kauf immer an einen Fachmann zu wenden: «Ich rate davon ab, die Fertigbrille in einem Supermarkt oder an der Tankstelle zu kaufen.» Auch Augenoptiker hätten fertige Brillen im Angebot und könnten ihre Kunden dabei noch ausführlich beraten sowie bei der Anpassung behilflich sein.
ddp
